Betreff: Artikel in topagrarONLINE vom 20.01.2012 mit dem Titel Ciolos wehrt sich gegen Begriff „Flächenstilllegung“
Laut topagrarONLINE hat EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos gestern (Donnerstag) in Berlin erklärt, bei den ökologischen Vorrangflächen in Höhe von 7 %, die die Landwirte nach 2013 anlegen sollen, handele es sich nicht um eine Flächenstilllegung. Ziel sei, heute gar nicht bewirtschaftete Flächen in das System der Förderung zu holen. Gemeint seien Hecken, Randstreifen, kleine Wäldchen, Landschaftselemente und sonstige für die Bewirtschaftung unrentable Flächen.
Zitat:
„Diese ohnehin nicht produktiven Flächen sollen ab 2014 gefördert werden. Es stimmt nicht, dass dadurch 7 % der heutigen Ackerflächen stillgelegt werden müssen“, argumentiert der Rumäne. Der DBV bezweifelt das, weil viele Betriebe in Deutschland gar nicht so viel ungenutzte Flächen hätten, um auf 7 % zu kommen. Deshalb müssten auch fruchtbare Flächen stillgelegt werden.
Interessant am Artikel sind auch die derzeit vier Kommentare, alle aus Bauernhand. Ein Bauer hat mit den geplanten Maßnahmen von Ciolos keinerlei Problem. Er sagt: „7% Landschaftselemente, Knicks, Wäldchen und Randstreifen, da könnt ich mit dienen.“
Ein anderer Kommentator: „So ein Quatsch. Die Landschaftselemente aus meinem Agrarantrag sind ca. 0,2 % meiner Antragsfläche. Wer viel hat, der kommt vielleicht auf 1%!“
Zwei weitere Kommentare gehen in die Richtung des letztgenannten Zitates, sagen also, da müsste viel bislang intensiv genutztes Land stillgelegt werden. Ein Fazit lautet: „Ressourcenverschwendung“.
Einer der vier hat 7% naturnahe Flächen, die anderen bei Weitem nicht. Genau so sieht unser Land auch aus!
Die Natur in den heutigen Agrarlandschaften ist ungemein verarmt. So urteilt auch das Bundeskabinett. Jedenfalls hat es, als es im November 2010 den “Indikatorenbericht 2010 zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt” beschloss die Aussage getroffen:
“Es gibt zu wenig Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert.”
Siehe dazu meinen Artikel mit Link auf den Indikatorenbericht selbst.
Die Bundesregierung müsste einmal klar machen, wie sie ihr Ziel einer im Indikatorenbericht genannten deutlichen Erhöhung des Naturwertes von Landwirtschaftsflächen erreichen will, obwohl sie gegen das von Ciolos gewollte Greening ständig opponiert. Genauso sollten die Herrschaften aus Deutschem Bauernverband, Bioökonomierat etc. sagen, wie sie darauf kommen, man könne die Flächennutzung ständig intensivieren, die Erträge erhöhen und dennoch die Natur der Agrarlandschaft erhalten.
Ich halte die genannten Leute nicht für so dumm, an ihre eigenen Worte zu glauben. Die versuchen sich in gezielter Volksverblödung, um ihre Eigeninteressen und die ihrer Klientel durchzusetzen.